2023–2026
Erfurt
Gesundheitsbauten
abgeschlossen
Mit der neuen psychologischen Tagesklinik in Erfurt ist ein Ort entstanden, der therapeutische Abläufe nicht nur funktional unterstützt, sondern räumlich übersetzt: in eine Atmosphäre von Ruhe, Klarheit und Zugewandtheit. Die Architektur folgt dabei den Prinzipien der Healing Architecture, ohne sich vordergründig klinisch zu zeigen. Stattdessen prägen warme Materialien, gedämpfte Farben, wohnliche Details und eine sorgfältig choreografierte Lichtführung das Erscheinungsbild.
Bereits beim Betreten entsteht der Eindruck einer offenen, gut lesbaren Praxis. Helle Holzoberflächen, sanft strukturierte Decken und textile Elemente schaffen eine natürliche Wärme. Sie nehmen den Räumen ihre Schwere und geben ihnen eine freundliche, fast wohnliche Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig sorgt die klare Zonierung für Orientierung: Therapie, Bewegung, Gestaltung, Rückzug und gemeinschaftliches Essen sind eigenständige Bereiche, die dennoch gestalterisch miteinander verbunden bleiben.
Ein zentrales Motiv des Entwurfs ist das Wechselspiel von Offenheit und Schutz. Die offene Cafeteria bildet einen kommunikativen Mittelpunkt. Hier entstehen Begegnung, Alltag und Gemeinschaft – wichtige Qualitäten eines Ortes, der nicht nur Behandlung, sondern auch Teilhabe ermöglichen soll. Zugleich sind in die räumliche Struktur geschützte Rückzugsecken integriert: Nischen, Sitzbereiche und weich gefasste Aufenthaltszonen bieten die Möglichkeit, Nähe selbst zu dosieren. Diese Balance zwischen Kontakt und Distanz ist ein wesentlicher architekturpsychologischer Aspekt des Projekts.
Auch die Einzel- und Gruppentherapieräume setzen auf eine ruhige, konzentrierte Gestaltung. So entstehen Räume, die Vertraulichkeit vermitteln und zugleich offen genug bleiben, um Leichtigkeit zu bewahren.
Die beiden Ruheräume führen dieses Prinzip weiter. Mit weichen Textilien, geschützten Sitz- und Liegeelementen, niedriger Beleuchtung und einer reduzierten Materialität bieten sie Orte des Rückzugs innerhalb des Tagesablaufs.
Der Sportraum hingegen arbeitet mit größerer Offenheit, Tageslicht und klaren Flächen. Er schafft Raum für Aktivierung und körperliche Erfahrung, ohne den ruhigen Charakter des Hauses zu verlassen. Ergänzt wird das Programm durch einen Gestaltungsraum, der kreatives Arbeiten und nonverbale Ausdrucksformen unterstützt.
Besonders prägend ist der Einsatz von Pflanzen und natürlichen Materialien. Begrünte Raumteiler, hölzerne Lamellenstrukturen und transparente Glasflächen verbinden unterschiedliche Bereiche miteinander, ohne sie vollständig zu öffnen. Sie schaffen Sichtbezüge, filtern Einblicke und bringen eine organische Qualität in den Innenraum. Die Architektur wirkt dadurch nicht abgeschlossen, sondern atmend – ein Gefüge aus Durchblicken, Nischen und sanften Übergängen.
Fotos: Steven Neukirch