REFERENZEN

Defensionskaserne

JAHR

2021–2026

ORT

Erfurt

RUBRIK

Arbeitswelten

STATUS

in Bearbeitung

Im Zentrum der architektonischen Arbeit steht der Umgang mit einer außergewöhnlich robusten und wenig flexiblen Bestandsstruktur. Die Herausforderung bestand darin, ein historisches Festungsgebäude aus dem 19. Jahrhundert in eine dauerhaft nutzbare, alltagstaugliche und zugleich wandelbare Struktur zu überführen – im Spannungsfeld zwischen baulicher Unveränderbarkeit und den Anforderungen zeitgenössischer Arbeits- und Lebensformen.

Der Entwurf reagiert darauf mit einer gezielten inneren Neuordnung. Die starre Tiefenstruktur des Bestands wird durch selektive Eingriffe geöffnet und neu vernetzt. Eine partielle Öffnung der Deckenzonen, ergänzt durch Aufzüge, Lufträume, Balkone und skulptural entwickelte Treppen, schafft neue vertikale und horizontale Bezüge. Die innere Logik des Gebäudes wird dadurch neu lesbar, ohne seine äußere Struktur zu verändern.

Die Defensionskaserne auf dem Petersberg in Erfurt ist Teil der historischen Festungsanlage oberhalb der Altstadt und prägt als massiver, langgestreckter Baukörper das Plateau. Über Jahrhunderte militärisch genutzt und funktional abgeschottet, war das Gebäude auf Kontrolle, Abschirmung und hohe bauliche Dauerhaftigkeit ausgelegt. Mit der aktuellen Transformation wird diese ehemals geschlossene Struktur erstmals dauerhaft für eine gemischte Nutzung geöffnet und in einen öffentlich zugänglichen Ort für Arbeit, Kultur und Austausch überführt.

Auf rund 10.000 Quadratmetern entsteht ein vielfältig nutzbarer Raum für Unternehmen, Start-ups, Kreativwirtschaft, Gastronomie, kulturelle und öffentliche Nutzungen. Die Defensionskaserne wird damit Teil der schrittweisen Öffnung des Petersbergs, der sich seit der Wiedervereinigung und insbesondere seit der Bundesgartenschau 2021 zunehmend zu einem integrierten Bestandteil des städtischen Lebens entwickelt.

Städtebaulich stärkt die Defensionskaserne das Ensemble des Petersbergs gemeinsam mit der benachbarten Peterskirche und den umgebenden Freiräumen. Die neue Nutzung ergänzt das Areal um einen Ort, der Arbeit, Kultur und Öffentlichkeit verbindet und die Verbindung zwischen Altstadt und Plateau weiter intensiviert. Die exponierte Lage mit weitem Blick über die Stadt wird dabei bewusst Teil der räumlichen Erfahrung.

 

Die Defensionskaserne wird so vom abgeschlossenen Militärbau zu einem offenen, vielschichtigen Ort im Stadtraum – einem Gebäude, das aus der Spannung zwischen historischer Struktur und zeitgenössischer Nutzung seine besondere Qualität entwickelt.

Die historischen Mauern, Raumhöhen und Grundrisse bleiben erhalten und bilden weiterhin die räumliche Grundlage. Neue Elemente treten bewusst als zeitgenössische Schicht in Erscheinung. So entsteht ein Gebäude, das nicht überformt, sondern weitergeschrieben wird – mit klar ablesbarer Geschichte und präzisen neuen räumlichen Situationen.

Die vollständige barrierefreie Erschließung sowie die Integration moderner Gebäudetechnik erfolgen sensibel innerhalb der bestehenden Struktur. Energetisch basiert das Konzept auf dem Effizienzhaus-Denkmal-Standard und nutzt die Qualitäten des Bestands wie Speichermasse, Tageslichtführung und natürliche Lüftung als passive Ressourcen.

Fotos: Steven Neukirch, Susann Nürnberger